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Experten-Interview

Kann mein Hund zum Allergieanzeigehund werden?

Allergieanzeigehund werden: Thorin mit Canis Plus Rinderlunge von Naturavetal - Naturavetal Pfotengeschichten

Ein Allergieanzeigehund, der Lebensmittelallergikern oder Menschen mit Zöliakie im Alltag unterstützend zur Seite steht, Unsicherheiten aus dem Weg räumt und Genuss und damit Leichtigkeit zurück in den Alltag bringt – das klingt für viele erst einmal nur nach einer schönen Vorstellung, einem Traum, ganz weit weg von der gelebten Realität. 

Doch muss der eigene Allergieanzeigehund ein Traum bleiben? In unserem Experten-Interview gehen wir der Frage nach, was ein Allergieanzeigehund eigentlich macht und ob jeder Hund zum Allergieanzeigehund werden kann.

Was macht ein Allergieanzeigehund?

Assistenzhunde übernehmen längst weit mehr als Blindenführung: Sie begleiten Menschen in Rollstühlen, warnen bei epileptischen Anfällen, bieten Zuversicht bei psychosozialen Beeinträchtigungen – und sie können, ausgebildet als sogenannte Anzeigehunde, Allergene aufspüren, in einer homöopathischen Menge, also Spuren, die für Menschen unsichtbar und manchmal auch nicht vorstellbar sind. Diese in §3 der neuen Assistenzhundeverordnung (AHundV) als Kategorie 4 geführten Anzeigehunde rücken langsam immer weiter ins öffentliche Bewusstsein.

Damit ein Hund zum Allergieanzeigehund werden kann, wird er speziell darauf trainiert, Allergene in Lebensmitteln zuverlässig zu erkennen und anzuzeigen. Für Betroffene kann das Risiko schwerer allergischer Reaktionen deutlich reduziert werden, wenn sie Lebensmittel mit unbekanntem Allergierisiko von ihrem Allergieanzeigehund prüfen lassen können, da er bereits kleinste Spuren des Allergens erkennen und anzeigen kann.

Allergieanzeigehund werden: Throrin rennt mit EpiPen - Natuavetal Pfotengeschichten

Allergieanzeigehund werden – Unser Experten-Interview mit Kiwi Gandre-Braatz

Hundetrainerin Kiwi Gandre-Braatz bildet bereits seit Jahren Familien und ihre eigenen Hunde zum Anzeigehund für Allergene aus. In unserem Experten-Interview beantwortet sie unsere wichtigsten Fragen und erklärt, was ein solcher Hund leisten kann, wie das Training funktioniert und warum dabei eigentlich jeder gesunde Hund ein Allergieanzeigehund werden kann.

Was muss ein Allergieanzeigehund eigentlich können?

Im Zentrum steht das sogenannte Anzeigen: Der Hund macht durch ein bestimmtes Verhalten – z. B. durch das Einfrieren mit der Nase an einer kontaminierten Geruchsprobe – deutlich, dass er ein Allergen in einem Lebensmittel oder an einem Gegenstand wahrgenommen hat. Selbst winzigste Spuren, die für Betroffene lebensbedrohlich sein können, sind für eine trainierte Hundenase erfassbar. 

Darüber hinaus kann ein Hund lernen, im Notfall das Notfallset mit Epipen und weiteren Medikamenten zu finden und der betroffenen Person zu bringen – auf Bitte, aber auch eigenständig, wenn er ein körperliches Alarmsignal wie Atemnot bemerkt. Ist die betroffene Person nicht mehr ansprechbar, kann der Hund neben weiteren Notfallplänen darauf trainiert werden, z. B. gezielt Familienmitglieder oder Passanten auf den Notfall aufmerksam zu machen.

Allergieanzeigehund werden: Tjälvor steht auf Birkenstamm - Naturavetal Pfotengeschichten

Braucht es eine bestimmte Hunderasse, um Allergieanzeigehund werden zu können? 

Allergieanzeigehund werden: Tjälvor schnüffelt an Snack von Naturavetal - Naturavetal Pfotengeschichen

Nein – und das überrascht viele. Jede gesunde Hundenase verfügt über rund eine Million mehr Riechzellen als die menschliche Nase, insofern ist zunächst jede Rasse geeignet, um zum Allergieanzeigehund ausgebildet zu werden. 

Entscheidender als das reine Riechvermögen ist ohnehin etwas Anderes: die Kooperationsbereitschaft des Hundes, sein Wunsch, mit seinem Menschen als Team zusammenzuarbeiten. 

Rassen, denen ein besonders ausgeprägtes Riechvermögen nachgesagt wird, bringen häufig auch einen ausgeprägten Jagdtrieb mit – damit wird es für viele Familien im Alltag eher schwieriger als leichterDie eigentliche Basis für eine zuverlässige Anzeigeleistung ist das, was man ein "Wir-Gefühl" nennen könnte: gemeinsames Spiel, Lob, Wertschätzung – und eine Versorgung, die den Hund auch körperlich in die Lage versetzt, diese anspruchsvolle Aufgabe zuverlässig zu erfüllen.

Wie sieht der Trainingsalltag für einen Allergieanzeigehund aus – und welche Rolle spielt die Ernährung?

Am Anfang der Ausbildung stehen Körpersprache und Teamwork im Fokus, spielerisch vermittelt über eine große Sammlung an Spielen. Belohnt wird während und unmittelbar nach dem Training – meist über den Futterbeutel mit Trockenfutter. Hier zeigt sich, wie eng Training und Ernährung zusammenhängen: Damit ein Hund konzentriert bleibt und nach dem Training schnell wieder in die Ruhe findet, braucht es Futter, das leicht zu handhaben ist, schmeckt und satt macht ohne noch unnötig Energie zu produzieren. Pellets, wie die von Naturavetal® haben sich hier bewährt – ihre Größe und Beschaffenheit erlaubt ein ruhiges Verfüttern beim Training, und ein zeitnahes Sättigungsgefühl hilft den Hunden, das eben Gelernte und auch das Futter in Ruhe zu verarbeiten. Nur ein Hund, der auch körperlich gut versorgt ist, kann langfristig die Konzentration und Ausdauer für diese Aufgabe aufbringen. 

Wenn es Zeit für die Spezialleistungen ist, belohnen wir mit Hundekeksen, die besonders hoch im Kurs stehen. Besondere Leistung muss besonders belohnt werden. Dafür fragen wir immer wieder bei unseren Hunden nach, wonach ihnen der Sinn steht. Und genauso vielfältig, wie die Anforderungen an unsere Fellnasen sind, ist auch das Kekssortiment von Naturavetal®. Dieses ist stets ein Highlight für unsere Hunde.

Allergieanzeigehund werden: Tjälvor und Thorin - Naturavetal Pfotengeschichten
Allergieanzeigehund werden: Tjälvor und Thorin auf Steg - Naturavetal Pfotengeschichten

Gibt es das "perfekte Einstiegsalter" für die Ausbildung zum Allergieanzeigehund?

Es gibt kein Mindest- oder Höchstalter für den Trainingsstart – manche Hunde beginnen bereits im Welpenalter, andere steigen später ein. Relevant wird das Alter z. B. bei konkreten Spezialausbildungen wie dem Warnhund für Epileptiker, oder auch wenn am Ende eine offizielle Prüfung angestrebt wird: Nach aktueller AHundV darf der Hund zur Prüfung nicht jünger als 21 Monate und nicht älter als 9 Jahre sein.

Wie läuft die Ausbildung zum Allergieanzeigehund ab und wie lange dauert sie?

Eine Basisausbildung umfasst bei mir in der Regel rund 12 Monate Online-Training mit monatlichen Live-Terminen, in denen die Inhalte des jeweils nächsten Trainingsmoduls besprochen werden – ergänzt durch Workbooks, Trainingsvideos und den Austausch mit anderen Teams. Wer im Anschluss eine offizielle, nach §12e Absatz 3 Satz 2 Nr. 3 BGG anerkannte Prüfung anstrebt, benötigt nach der neuen AHundV neben den Nachweisen der konkret individuellen Eignung und dem Bedarf zusätzlich Präsenzveranstaltungen und weiterführende Fortbildungen – insgesamt kommen dann etwa 18 Monate inklusive 60 Stunden an Spezialausbildung zusammen, sowohl im Gruppen- als auch im Individualtraining.

Muss die Ausbildung immer mit einer offiziellen Prüfung enden?

Nein, ganz und gar nicht. Meine Basisausbildung ist für alle gedacht, die einen wertvollen Alltagsbegleiter aufbauen möchten – unabhängig davon, ob am Ende eine offizielle Prüfung angestrebt wird oder nicht. Und das kann wirklich jede betroffene Familie erreichen: Jeder gesunde Hund freut sich von Natur aus darüber, sinnvoll beschäftigt zu werden, und möchte seine Menschen begeistern. Diese Hingabe muss man nur in die richtigen Bahnen lenken – über ein unterhaltsames Spiel, das die eigentliche Aufgabenstellung ganz nebenbei mit einbaut. So wird aus purer Begeisterung geteilte Verantwortung, und aus einem ganz gewöhnlichen Familienhund ein echter Mehrwert für den Alltag.

Allergieanzeigehund werden: Tjälvor sucht in Tasche - Naturavetal Pfotengeschichten
Allergieanzeigehund werden: Tjälvor trägt EpiPen - Naturavetal Pfotengeschichten

Welche Allergene und wie viele kann ein Hund erkennen?

Grundsätzlich jedes Allergen, dessen Geruch sich isolieren lässt – ob Lebensmittel, Gluten, Schimmel oder Pflanzen. Der Hundenase sind hier kaum Grenzen gesetzt. Auch die Anzahl ist variabel. 

Am Ende der Ausbildung weiß jeder meiner Teilnehmer nicht nur, wie er sein vierbeiniges Familienmitglied zu Höchstleistungen motiviert, sondern auch, wie er seinen Hund lesen lernt. Somit kann jeder selbst entscheiden, wie viele Allergene er integriert und wie er die Leistungsfähigkeit des eigenen Hundes realistisch einschätzt, ohne ihn zu überfordern.

Wie kommt man als Interessent zu einem Allergieanzeigehund? Werden fertig ausgebildete Hunde vermittelt, oder bildet die Familie selbst aus?

Bei diesem Ansatz steht die Selbstausbildung im Mittelpunkt: Hund und Mensch gehen gemeinsam den kompletten Weg der Ausbildung. Neben der praktischen Arbeit gehört auch theoretisches Wissen dazu. Und neben den speziellen Assistenzleistungen darf man auch den Freizeitbereich nicht vergessen. Ein unaufgeregtes Miteinander auch in Begegnungen mit Artgenossen sowie ein souveränes Auftreten in der Öffentlichkeit sind ebenfalls Bestandteil des Lebens mit einem Assistenzhund und haben im Trainingsalltag der Teilnehmer ihren festen Platz. Und daher freue ich mich, wenn die Teams sich unter meiner Anleitung miteinander entwickeln, zusammenwachsen und lernen, Herausforderungen gemeinsam zu überwinden. Am Ende einer solchen Ausbildung stehen für viele Familien eindrückliche Momente: wenn in einer durchgespielten Notfallsituation plötzlich sichtbar wird, wie zuverlässig der eigene Hund zum echten Teamplayer, zum "WirWunder" geworden ist – und wie viel Sicherheit, der ersehnte Mehrwert für den Alltag, damit gewonnen ist.

Allergieanzeigehund werden: Tjälvor überreicht Futterdummy - Naturavetal Pfotengeschichten
Allergieanzeigehund werden: Tjälvor und Kiwi öffnen Futterdummy - Naturavetal Pfotengeschichten

Das innovative Projekt „FindePfoten“

Allergieanzeigehund werden mit Kiwi Gandre-Braatz

Allergieanzeigehund werden: Kiwi und ihre Hunde - Naturavetal Pfotengeschichten

Kiwi Gandre-Braatz verbindet ihre vielseitige Expertise als Hundetrainerin, Hundeverhaltens- und Erziehungsberaterin und Tierheilpraktikerin mit einer großen Leidenschaft für die gemeinsame Arbeit von Mensch und Hund. Bereits in ihrer früheren Hundeschule Hühnerdiebe & Co. setzte sie auf vielseitiges und abwechslungsreiches Training.

2019 entwickelte sie das Projekt FindePfoten, in dem Familien ihren eigenen Hund online zum Assistenzhund für Menschen mit Lebensmittelallergien ausbilden können. Kooperationspartner ist der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB), der seine Expertise rund um Lebensmittelallergien und in der Beratung von Betroffenen einbringt.

Dass dieses Konzept auch anspruchsvolle Ziele möglich macht, zeigte sich 2023 eindrucksvoll: Mit „Jack“ bestand der erste FindePfote-Hund erfolgreich eine offiziell anerkannte Assistenzhundeprüfung. Mittlerweile sind es sechs anerkannte Teams – weitere stehen bereits fertig ausgebildet in den Startlöchern und warten auf das Inkrafttreten der neuen AHundV, um ebenfalls die offizielle Prüfung ablegen zu können.

Danksagung

Ein Allergieanzeigehund kann für Menschen mit schweren Allergien weit mehr als nur ein Begleiter sein – er schenkt Sicherheit, Selbstständigkeit und ein gutes Stück Lebensqualität. Hinter dieser besonderen Aufgabe steckt jedoch eine intensive Ausbildung, viel Geduld und eine enge Bindung zwischen Mensch und Hund. 

Für Kiwi Gandre-Braatz steht aber nicht allein die erlernte Leistung im Mittelpunkt. Ihr Trainingsansatz lebt von Freude, Vertrauen und einem starken Miteinander – einem „Wir“ zwischen Mensch und Hund, das den Alltag bereichert und beiden Seiten mehr Sicherheit und Selbstvertrauen schenkt. Wer mehr über sie und ihre Arbeit erfahren möchte, kann gern auf ihrer Seite vorbeischauen: https://findepfoten.de/

Wir bedanken uns herzlich bei Hundetrainerin Kiwi Gandre-Braatz für ihre fachlichen Einblicke und die Unterstützung bei dieser Pfotengeschichte.

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